Mörköls Billigfluch, Portrait

Süddeutsche Zeitung
von Hannah Illing

Antonia von Romatowski lebt seit zwei Jahren am Starnberger See - und stellt  sich vor, dass Angela Merkel auch hierher zieht, wenn sie nicht mehr Kanzlerin ist. Vielleicht treffen sie sich dann endlich, die echte und die falsche Merkel. (Foto: Trey)

Die Schauspielerin Antonia von Romatowski aus Starnberg schlüpft seit zehn Jahren in die Rolle von Angela Merkel. Dabei sieht sie der Kanzlerin gar nicht ähnlich.

Starnberg – Wie Angela Merkel sieht sie nun wirklich nicht aus. Das hört Antonia von Romatowski, 37 Jahre, als Beruf: Merkelparodistin, oft. Eineinhalb bis zwei Stunden braucht die Starnbergerin in der Maske, um sich in die Bundeskanzlerin zu verwandeln. Dazu imitiert sie noch Merkels Körperhaltung: Die Mundwinkel nach unten, den Kopf nach vorne, den Rücken rund. Das eigentliche Werkzeug der gelernten Schauspielerin ist aber ihre Stimme. Die Parodistin kann Merkels Sprechweise auf Knopfdruck nachahmen. Statt “Billigflug” sagt von Romatowski dann zum Beispiel “Billigfluch”.

Zwei Monate brauchte von Romatowski, um sich Merkels Art zu sprechen anzugeignen. Schon 2003 hat sie damit angefangen, Merkel zu parodieren – zwei Jahre vor deren Wahl zur Bundeskanzlerin. Damals wurde sie in ihrem Bekanntenkreis noch schräg angeguckt: “Was willst Du denn damit?”, fragten ihre Freunde. Ihren Ruf musste sich von Romatowski erst erarbeiten – heute kann sie sich kaum vor Aufträgen retten. Besonders viel zu tun hatte sie während des Wahlkampfs im Sommer. Mittlerweile hat sie auch ihre eigene Comedy-Show im Radio mit Comedian Stefan Lehnberg als Kanzlergatte Joachim Sauer. Der Titel: “Küss mich, Kanzler!” Da besucht Merkel zusammen mit Ehemann Joachim Sauer zum Beispiel Präsident Obama im  Weißen Haus. “Hello, Sis is Angela Mörköl from Germany”, sagt Antonia von Romatowski dann mit übertriebenem deutschen Akzent. Merkel portraitiert sie in der Serie als die besonnene Staatsfrau, die es peinlich findet, wenn Ehemann Joachim von Obama eine Freikarte fürs Disneyland verlangt.

Antonia von Romatowski weiß: “Die Menschen schmücken sich gerne mit Merkel.” Sie tritt des Öfteren bei Galaveranstaltungen von Firmen wie Lufthansa oder der Post AG auf. Zum Programm gehören dann neben einer Merkel-Rede immer auch Händeschütteln und Fotos mit den Firmenchefs. Persönlich getroffen hat von Romatowski die Kanzlerin noch nicht. Sie schickt ihr regelmäßig die neuen CDs zu ihrer Comedy-Show. Als Antwort kam einmal ganz artig ein Dankes-Brief aus dem Kanzleramt.

Angela Merkel war die erste bekannte Persönlichkeit , die von Romatowski parodiert hat. Mittlerweile gehören auch Ursula von der Leyen oder Verona Pooth zu ihrem Repertoire – Merkel ist und bleibt aber die “Hauptstimme”. Schon als Kind hat von Romatowski auf Familienfeiern gerne Promis parodiert. Ihr Talent zum Beruf zu machen, daran dachte sie zunächst aber nicht. Erst wollte sie Balletttänzerin werden, nach dem Abitur machte sie eine Schauspielausbildung am Schauspielstudio in Hamburg. Dann kam Merkel. “Ich habe einfach gemerkt: das ist mein Weg.”

Antonia von Romatowski bezeichnet sich selbst als Autodidaktin. Am kreativsten ist sie an freien Tagen, an denen sie ihren Tagesablauf selbst planen kann. Das gelingt ihr besonders gut in Starnberg, wo die Merkel-Parodistin seit zwei Jahren lebt. “Wenn ich an einem Tag nur spazieren gehe und bügle, bringt mich das wieder auf ganz andere Gedanken”, erzählt von Romatowski. Sie schwärmt besonders für den Starnberger See mit dem Bergpanorama. “Der See ist einfach zu jeder Tagesstimmung toll, auch wenn es draußen grau ist.” Starnberg hat sich für von Romatowski sofort wie Heimat angefühlt.

Was sie machen wird, falls Merkel bei der nächsten Bundestagswahl nicht mehr antritt, weiß die Parodistin auch schon: Sie will dann Mantra-Singkreise leiten, möglicherweise auch in Starnberg. Ein zweites Szenario wäre auch denkbar: In ihrer Radio-Comedy will von Romatowski vielleicht auch mal Starnberg einbauen. “Eine schöne Idee wäre, dass Angela Merkel nach Starnberg zieht, wenn sie nicht mehr Kanzlerin ist.” Falls sich Merkel den Vorschlag zu Herzen nimmt, könnten sich die beiden doch noch mal persönlich treffen: zu gemeinsamen Kaffeekränzchen.